Ein richtig guter Tag

#Achtsamkeit  #Selbsthilfe  #Einsamkeit  #COVID-19   #mentaleGesundheit

Es passiert nicht am laufenden Band, aber hin und wieder gibt es so Tage, an denen einfach alles super ist. Niemals wird sich rückstandslos entschlüsseln lassen, welche Faktoren da zusammenspielen. Aber ebenso, wie es Morgen gibt, an denen ich kräftig cortisolgeflutet werde, gibt es auch solche, an denen Serotonin und Dopamin munter Hand in Hand durch mein Gehirn hüpfen und sich die tollsten Dinge für die kommenden Stunden ausdenken.

An diesen Tagen sind nicht nur alle Ampeln grün, sondern geht insgesamt einfach alles wunderbar auf und niemand weiß warum. Dann freue ich mich, dass alle Voraussetzungen dafür geschaffen sind, um mir einen Kaffee zu machen und wenn ich mit diesem Kaffee zurück ins Bett krabbel und ein Buch aufschlage, zwickt es mich richtig ein bisschen vor Freude. Dann sitze ich da und denke: „Wow. Kaffee. Hat genau die passende Temperatur. Schmeckt köstlich. Fühlt sich gut im Hals an, diese genau passende Temperatur. Und wie cool ist das eigentlich, dass ich direkt wieder im Bett sitze und es warm und gemütlich habe? Dazu ein Buch auf dem Schoß? Vor hundert Jahren hätten die Menschen so einen Morgen wenn‘s hoch kommt ein Mal im Jahr gehabt. Toller Schlafanzug übrigens, den ich da an hab!“

So und ähnlich geht das dann den ganzen Tag einfach weiter. Mein Kopf wird zu einer Synonymmaschine für positive Bewertungen.

Morgenmuffel
Image by Caroline Veronez

​Einmal in der Aufwärtsspirale, find ich klasse und bemerkenswert, was eigentlich so alles richtig gut funktioniert. Wasser kommt aus der Wand und fließt wieder ab. Genug Geld ist da, um leckere Sachen kaufen zu können, ausreichende Fähigkeiten, um etwas Wunderbares zu kochen. Gefolgt von Begeisterung, wie sich ein*e Autor*in so eine hervorragende Formulierung hat einfallen lassen können, Hingerissenheit, wie ein*e Musiker*in ein solches Kunstwerk erschaffen konnte.

An solchen Tagen kann es auch durchaus passieren, dass ich mal kurz Pause mache, weil ich plötzlich verdammt froh bin, dass ich gerade gesund bin und alles an und in meinem Körper überwiegend in Ordnung ist. Oder einen Moment der Ergriffenheit erlebe, wenn ich daran denke, wie toll ich meine Freunde finde und wie endlos lieb ich sie habe. Wenn ich eine Aufgabe erledigt habe und schwer zufrieden mit mir bin. Dopamin im Galopp. An diesen Tagen hat die Amygdala Urlaub. Da kann mir kaum etwas passieren. Da bin ich gepanzert mit einer Aura aus Teletubbies. Und am Abend, wenn ich wieder im Bettchen liege, werde ich vor Gemütlichkeit fast ohnmächtig und brauche trotzdem lange zum Einschlafen, weil ich so beschäftigt damit bin, mich wohl zu fühlen.

Schilderungen schlechter Tage braucht kein Mensch. Jede*r hat mutmaßlich ein prall gefülltes Archiv mieser Tage, dem keine weiteren Beispiele hinzugefügt werden müssen. Dass unser Gehirn von Negativem magnetisch angezogen wird und Positives tendenziell abstößt, ist – Überraschung!- evolutionsgeschichtlich begründet. Überlebenstechnisch war und ist es von größter Bedeutung, Gefahren zu erkennen, einzuschätzen und zu vermeiden. Diese Einrichtung unseres Gehirns tut uns heutzutage allerdings nicht nur gut. Nicht selten entsteht ein Überhang auf der negativen Seite, der sich manchmal verselbstständigt und uns eher schadet als schützt. Unsere Realität ist etwas unübersichtlich geworden, da kann schon mal was schiefgehen und falsch zugeordnet oder eingeschätzt werden. Es gibt zu viel des Guten, aber auch zu viel des Schlechten, klare Sache.

Auch wenn es wichtig ist, das Negative und eventuelle Gefahren zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren, liegt die Betonung auf angemessen. Mit größter Gewissheit schadet es uns nicht, zumindest etwas mehr Gerechtigkeit walten zu lassen und Raum für das Positive zu schaffen. Das Negative wird dadurch nicht verdrängt, keine Sorge, wir werden nichts verpassen was schlimm ist. Es hat seinen festen Stammplatz, den es auf alle Zeiten verteidigen und uns zu jeder Tages- und Nachtzeit auch ungefragt informieren wird.

Image by Yuris Alhumaydy

Was du brauchst - eine Strategie!

Um das Negative müssen wir uns also nicht aktiv bemühen. Das kommt und macht sich ganz von selbst bemerkbar. Besser handhaben können wir es allerdings, wenn wir auch ausreichend Positives angereichert haben. Darum allerdings müssen wir uns aktiv bemühen, denn Happy-go-lucky ist nicht die Norm. Auch wenn wir es oft nicht wahrhaben und zulassen wollen, aber wenn wir mal ganz ehrlich sind, vergeht kein einziger Tag, ohne dass irgendetwas Gutes passiert, immerhin passabel war, sich eigentlich gar nicht schlecht, vielleicht sogar gut oder ein bisschen fantastisch angefühlt hat, oder zumindest die Abwesenheit von Katastrophen zu verzeichnen ist. Gewagte These, die ich nicht wissenschaftlich untermauern kann, aber einfach mal behaupte