Die Sache mit der Einsamkeit

#Achtsamkeit  #Selbsthilfe  #Einsamkeit  #COVID-19   #mentaleGesundheit

Es sind neue Spielregeln und du hast alles Recht der Welt, deine Planung daran auszurichten. Mach weniger Kompromisse. Es ist ein verdammter Winter in einer verdammten Pandemie. Falls du deine eigenen Bedürfnisse sonst eher zurückstellst, solltest du dir spätestens jetzt erlauben, wirklich das zu tun, was du brauchst. Konzentriere dich auf die Menschen, die dir guttun und auf die Aktivitäten, die dich erfüllen.

 

Die nächsten Monate ist genau gar kein Platz für Menschen und Hobbys, die du nur aus Gewohnheit oder falschem Pflichtgefühl in deinem Leben hast.

Viele Menschen verhalten sich falsch: Get over it

Ja, man kann an vielen Mitmenschen momentan verzweifeln. Ihre Partys sind ihnen scheinbar wichtiger als dein Leben.

 

Die Maske unter der Nase zu tragen würde mit einer Handbewegung von einem Zentimeter den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Ich verlange nicht, dass wir das tolerieren.

Wohnzimmereinrichtung
Tunnel aus Pflanzen

 

Aber ich glaube nicht, dass wir uns dieser Wut komplett hingeben müssen. Dabei kann es helfen, zwischen den zwei Ebenen von Wut zu unterscheiden.

 

Erstens gibt es den aktivistische, soziale, politische Wut. Medien und Menschen mit Reichweite können durch die Stigmatisierung von Fehlverhalten einen so großen sozialen Druck aufbaut, dass das Fehlverhalten reduziert wird. Das ist gut und wichtig, deswegen müssen wir auf dieser Ebene wütend bleiben. Auch im Kleinen kann unsere Wut für Veränderung sorgen, indem sie Energie freisetzt mit anderen eine Konfliktsituation zu eröffnen. Das Erkennungsmerkmal dieser Wut ist also, dass sie sich in Aktion übersetzen lässt. Ich werde niemals aufrufen, diese Art von Wut zu reduzieren, nur weil das Leben angenehmer ist, wenn wir uns um die Belange der Welt nicht mehr kümmern.

Was alle anderen machen, während du zu Hause sitzt

​Aber es gibt noch die intime Ebene der Wut und mit der bist du komplett allein. Ihr Haupterkennungsmerkmal ist, dass es kein Ventil für sie gibt. Sie begegnet dir, wenn du abends Nachrichten über das Fehlverhalten von anderen liest, Videos von überfüllten Bootpartys auf Twitter siehst oder Menschen ohne Maske im Supermarkt beobachtest. Dein Handlungsspielraum ist dann schlicht nicht existent oder so klein, dass du wahrscheinlich wenig tun wirst. Du kannst in solchen Momenten zwar bewusst in die aktivistische Wut wechseln, deinem Frust mitteilen und so am sozialen Druck mitwirken oder wirklich Menschen in Supermärkten versuchen zu belehren. Wenn du das tust: Super. Und viel Glück. In dem Moment verlässt du deine Ohnmacht. In den meisten Fällen, besonders im Alltag, tragen wir die Wut aber einfach mit uns herum. Und Wut ohne Aktion ist immer eine schlechte Idee. Sie schadet dir und hilft gleichzeitig auch noch niemandem.

Image by Yuris Alhumaydy

Was du brauchst? Eine Strategie!

Wenn ich mir die Nachrichten so durchlese, die mir Menschen in den letzten Tagen zu dem Thema geschickt haben, scheint die Frustration über andere im Alltag die größte Quelle negativer Emotionen zu sein. Das ist verständlich, aber wenig hilfreich. Außerdem scheint die Faszination, über die Verfehlungen der anderen zu lesen, sehr groß zu sein. Wir baden scheinbar in einer selbstgerechten Suppe aus Überlegenheit und Unverständnis. Plötzlich besteht die ganze Welt nur noch aus Idioten, und wir können es einfach nicht fassen aber auch nicht wegschauen.

Ich sage: Fass es! Es gab, gibt und wird immer Menschen geben, die gar keinen oder einen ganz anderen moralischen Kompass als du besitzen. Es zu fassen, also Akzeptanz, ist nicht gleichbedeutend mit Toleranz. Aber es reduziert deine Frustration im Alltag ganz erheblich. Es besteht kein Grund, dich mit diesen Meldungen intensiv zu beschäftigen, dich an Gesprächen über sie zu vehement zu beteiligen oder den ganzen Tag mit Wut im Bauch durch die Stadt zu laufen. Es zu fassen zerstört die Faszination für diese Inhalte. Kopfschütteln und Ablehnung: klar, gönn dir. Aber glaube nicht, dass du irgendwas bewirkst, wenn du deine ganze Aufmerksamkeit auf diese Menschen richtest.